Die spektakuläre Spanne von 1.000 bis 10.000 sagt nicht, dass Forschende den weltweiten Kohlenstoffverlust von Algenwäldern direkt gemessen hätten. Sie vergleicht modellierte Verluste natürlicher Kohlenstoffflüsse mit den gegenwärtig dokumentierten Gewinnen aus Wiederherstellung, Aufforstung und Algenzucht. Damit beschreibt sie vor allem eine Größenordnung des Missverhältnisses.

Für die Verlustseite kombinieren die Autoren unter anderem eine globale Flächenschätzung von 641.224 Quadratkilometern Kelpwald mit einer angenommenen jährlichen Abnahme von 1,8 Prozent. Daraus ergeben sich rechnerisch 11.542 Quadratkilometer Verlust pro Jahr. Anschließend werden Literaturwerte für Biomasse, Export von organischem Kohlenstoff und gelösten Kohlenstoff eingesetzt. Jeder Schritt trägt Unsicherheit in die Bilanz.

Das Autorenteam zeigt selbst eine deutlich konservativere Alternative: Wird statt der jährlichen Abnahmerate eine projizierte Flächenabnahme bis 2100 verwendet, sinkt der geschätzte Verlust der Klimaleistung bis 2050 ungefähr um eine Größenordnung. Das widerlegt die Grundrichtung nicht, zeigt aber, wie stark das Ergebnis von Szenario, Kartierung und Kohlenstoffannahmen abhängt.

Der Weltklimarat bewertet Ozean- und Küstenökosysteme unabhängig davon als stark vom menschengemachten Klimawandel betroffen. Das stützt die Sorge um natürliche Algenwälder, bestätigt aber nicht automatisch den konkreten Faktor 1.000 bis 10.000. Hinzu kommt ein offengelegter Interessenkonflikt: Zwei Autoren beraten ein Unternehmen für Algenwald-Wiederherstellung.

Für Klimapolitik ist die belastbare Aussage deshalb enger: Schutz bestehender Algenwälder und Emissionsminderung verhindern Risiken, die kleine Aufbauprojekte derzeit nicht ausgleichen können. Einzelne Projekte können Lebensräume verbessern, sollten aber ohne robuste Messung von Dauer, zusätzlicher Speicherung und möglichen Verlagerungen nicht als sichere Kohlendioxid-Kompensation verkauft werden.