3,8 Millionen Erwerbstätige zwischen 15 und 74 Jahren wollten 2025 ihre Arbeitszeit verkürzen, 1,5 Millionen wollten sie erhöhen. Das sind Erstergebnisse des Mikrozensus, die das Statistische Bundesamt am 4. September 2026 veröffentlicht hat. Die Zahlen beschreiben geäußerte Wünsche unter der Vorgabe, dass weniger Arbeit auch weniger und mehr Arbeit entsprechend mehr Verdienst bedeutet.
Die beiden Gruppen starten von unterschiedlichen Punkten. Menschen mit Verkürzungswunsch arbeiteten gewöhnlich 40,9 Stunden pro Woche und wollten im Mittel 10,5 Stunden abgeben. Menschen mit Mehrarbeitswunsch kamen auf 26,2 Stunden und wollten ebenfalls durchschnittlich 10,5 Stunden hinzufügen. Von der ersten Gruppe arbeiteten 3,3 Millionen in Vollzeit; von der zweiten waren 1,1 Millionen teilzeitbeschäftigt.
Würden alle genannten Wünsche umgesetzt, sänke die durchschnittliche Wochenarbeitszeit rechnerisch um 0,6 Stunden beziehungsweise 36 Minuten. Dieser Saldo ist keine Vorhersage: Er sagt weder, ob Betriebe entsprechende Stellenmodelle anbieten, noch ob Beschäftigte ihre Wünsche tatsächlich umsetzen können.
Wie empfindlich solche Werte auf das Erhebungsdesign reagieren, zeigt ein älterer Methodenvergleich von Mikrozensus und Sozio-oekonomischem Panel (SOEP). Für das Berichtsjahr 2015 ermittelte der Mikrozensus gut 2,7 Millionen Menschen mit Wunsch nach Mehrarbeit und eine Million mit Wunsch nach weniger Arbeit; das SOEP kam bei einer anders abgegrenzten Altersgruppe auf knapp 5,3 Millionen beziehungsweise 18 Millionen. Die Größen sind deshalb nicht als Zeitreihe mit 2025 zu lesen. Ihr Abstand zeigt vielmehr, dass Stichprobe, Fragen und Befragungsmodus die gemessenen Wünsche stark verändern können. Das SOEP wird am DIW Berlin als eigenständige Langzeitbefragung betrieben.
Eine weitere Perspektive liefert die BAuA-Arbeitszeitbefragung 2023. Ihre Auswertung verbindet Verkürzungswünsche häufiger mit gesundheitlichen Beschwerden und beschreibt sie als schwerer umsetzbar als Verlängerungswünsche. Auch das ist keine Kausalaussage: Die Untersuchung belegt nicht, dass der Arbeitszeitwunsch die Beschwerden verursacht, und ihr Datensatz ist nicht mit dem Mikrozensus gleichzusetzen.
Die belastbare Aussage der neuen Statistik ist daher begrenzt, aber nützlich: Arbeitszeitwünsche laufen gleichzeitig in beide Richtungen und hängen eng mit Voll- oder Teilzeit zusammen. Für politische Forderungen nach pauschal längeren oder kürzeren Wochen liefert der Mikrozensus allein keine Wirkungsprognose.
