Ob Bio ökologisch besser abschneidet, hängt nicht nur vom Produkt ab, sondern auch von der Recheneinheit. Eine 2024 veröffentlichte systematische Auswertung von 100 Lebenszyklusstudien kommt deshalb nicht zu einem Gesamtsieger: Pro Fläche zeigt ökologischer Anbau häufig geringere Klima-, Überdüngungs- und Energiebelastungen; pro erzeugter Masse verschwinden viele dieser Unterschiede.
Für Treibhausgase, Eutrophierung und Energieeinsatz fand die Auswertung pro Kilogramm Lebensmittel keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Bio und konventionell. Deutlicher sind zwei andere Richtungen: Bio hatte in den einbezogenen Studien ein geringeres Potenzial für Ökotoxizität und Biodiversitätsverlust, benötigte wegen niedrigerer Erträge aber mehr Fläche. Our World in Data beziffert den Median des zusätzlichen Flächenbedarfs in den gepaarten Vergleichen auf 64 Prozent.
Das erklärt, warum zwei scheinbar widersprüchliche Aussagen zugleich stimmen können. Ein Biofeld kann lokal weniger chemischen Druck erzeugen und mehr Arten tragen. Wenn für dieselbe Lebensmittelmenge mehr Fläche benötigt wird, kann die Bilanz pro Kilogramm dennoch ähnlich oder ungünstiger ausfallen. Naturschutz auf dem Feld und Flächendruck außerhalb des Feldes sind unterschiedliche Fragen.
Die Zahlen sind keine universelle Rangliste. Die Review erfasste Studien bis Juli 2020 und überwiegend Wirkungen bis zum Hoftor. Biodiversität, Pestizidfolgen, Bodenqualität und Änderungen des Bodenkohlenstoffs werden in Lebenszyklusanalysen uneinheitlich oder selten abgebildet. Ergebnisse schwanken zudem nach Kultur, Standort, Ertrag und Bewirtschaftung.
Für Kaufentscheidungen folgt daraus eine Reihenfolge statt eines Siegels: Zuerst ist relevant, welches Lebensmittel gewählt wird und wie viel davon weggeworfen wird; danach kann das Anbausystem zusätzliche Unterschiede machen. Bio kann besonders bei Ökotoxizität und lokaler Biodiversität Vorteile haben, ist aber kein verlässlicher Pauschalindikator für die kleinste Klima- oder Flächenbilanz.
