Deutschlands öffentlicher Gesamthaushalt gab im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr aus, als er einnahm. Einnahmen von 1.011,8 Milliarden Euro standen Ausgaben von 1.110,6 Milliarden Euro gegenüber. Das Defizit betrug 98,8 Milliarden Euro.

Gegenüber dem Vorjahreswert von 58,5 Milliarden Euro wuchs die Lücke um 40,3 Milliarden Euro oder rechnerisch rund 68,9 Prozent. Der Bund prägte die Entwicklung: Sein Defizit stieg von 30,0 auf 72,3 Milliarden Euro und machte damit rund 73,2 Prozent des gesamten Fehlbetrags aus.

Beim Bund sanken die Einnahmen um fünf Prozent, während die Ausgaben um 9,8 Prozent stiegen. Destatis nennt unter anderem geringere Einnahmen durch Strom- und Energiesteuerentlastungen. Für den gesamten öffentlichen Haushalt erhöhten sich die Zinsausgaben um 21,2 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro.

Für die Kommunen blieb das Defizit mit 20,1 Milliarden Euro auf dem Rekordniveau des Vorjahreszeitraums. Gleichzeitig gingen ihre Sachinvestitionen um 4,5 Prozent zurück, während sie beim Bund um 4,6 Prozent und bei den Ländern um 3,1 Prozent stiegen. Das beschreibt eine angespannte Lage, belegt aber allein noch nicht, welche einzelnen Bauprojekte verschoben wurden.

Die Sozialversicherung war mit minus 68 Millionen Euro nahezu ausgeglichen. Darin enthalten waren allerdings Bundesdarlehen von insgesamt 10,2 Milliarden Euro an Arbeitslosen-, Pflege- und Krankenversicherung. Renten- und Pflegeversicherung schrieben Defizite, Kranken- und Arbeitslosenversicherung Überschüsse.

Wichtig ist die Methode: Die vorläufige vierteljährliche Kassenstatistik umfasst Kern- und Extrahaushalte und folgt nicht derselben Abgrenzung wie der staatliche Finanzierungssaldo nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen. Der Wert ist daher weder die Maastricht-Defizitquote noch eine fertige Prognose für das Gesamtjahr.