Deutschland importierte im ersten Halbjahr 2026 Waren im Wert von gut 0,5 Milliarden Euro aus Russland. Im ersten Halbjahr 2021 waren es noch 15,0 Milliarden Euro. Das Statistische Bundesamt berechnet daraus einen Rückgang um 96,4 Prozent.

Die Zahl ist groß, braucht aber eine klare Grenze: Gemessen wird der nominale Wert des grenzüberschreitenden Warenhandels. Sie sagt nicht direkt, um wie viel die physische Warenmenge sank. Preisänderungen wirken ebenso mit, und Dienstleistungen sind in dieser Statistik nicht enthalten.

Auch die Zusammensetzung hat sich grundlegend verschoben. 2021 entfielen 61,5 Prozent der Importe auf Erdöl und Erdgas. 2026 waren Nahrungs- und Futtermittel mit 38,7 Prozent die größte Gruppe, gefolgt von Metallen mit 31,6 Prozent und chemischen Erzeugnissen mit 18,0 Prozent. Zusammen sind das 88,3 Prozent der verbliebenen Importe.

Die deutschen Warenexporte nach Russland gingen ebenfalls zurück, aber weniger stark: von gut 12,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2021 auf 3,4 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026. Das entspricht einem Minus von 73,1 Prozent. Pharmazeutische Erzeugnisse stellten zuletzt 42,4 Prozent der Exporte.

Für die Frage nach verbleibenden Abhängigkeiten genügt der Gesamtwert deshalb nicht. Bei jeder wichtigen Warengruppe sollte geprüft werden, ob sie kurzfristig ersetzbar ist, welche alternativen Lieferländer verfügbar sind und ob der Wert durch Preise oder Mengen geprägt wird. Dienstleistungen müssen gesondert betrachtet werden.

Destatis dokumentiert auch Rückgänge bei Unternehmensverflechtungen, Flugreisen und Studienanfängen aus Russland. Diese Reihen haben jedoch unterschiedliche Vergleichsjahre und Definitionen. Sie dürfen nicht zu einer einzigen Prozentzahl über die gesamten Beziehungen verrechnet werden.

Die Statistik zeigt damit eindeutig eine starke Entflechtung im Warenhandel. Sie belegt aber weder eine vollständige Trennung noch den Anteil einzelner Ursachen. Für belastbare Entscheidungen zählt die Struktur hinter der Schlagzeile.