Deutsche Unternehmen würden ohne digitale Importe im Durchschnitt 16 Monate durchhalten. Diese Zahl aus einer Bitkom-Befragung klingt nach einer klaren Sicherheitsreserve. Sie ist aber kein gemessener Belastungstest, sondern eine Selbsteinschätzung von 602 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten.
Gegenüber dem Vorjahr stieg der Durchschnitt von 14 auf 16 Monate. Das entspricht rechnerisch rund 14 Prozent. Die Primärmitteilung zeigt jedoch weder die Verteilung der Antworten noch den vollständigen Fragebogen. Ein Durchschnitt kann deshalb sehr unterschiedliche Lagen verdecken: Manche Betriebe könnten nur wenige Wochen überbrücken, andere deutlich länger.
Auch der Begriff Digitalimporte braucht eine Grenze. Er umfasst Geräte, Bauteile, Software, Cloud-Dienste und Beratung aus dem Ausland. Dazu zählen nicht nur China und die USA. 83 Prozent der importierenden Unternehmen beziehen digitale Leistungen auch aus anderen Staaten der Europäischen Union. Die Zahl misst daher keine reine Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern.
Für die betriebliche Vorsorge sind drei Ebenen hilfreicher als ein Monatswert. Erstens muss ein kritischer Dienst technisch ersetzt werden können. 40 Prozent der befragten Importeure bereiten sich auf einen Anbieterwechsel vor. Zweitens senken mehrere Lieferanten das Ausfallrisiko; das tun 31 Prozent. Drittens erleichtern offene Standards den tatsächlichen Wechsel, doch nur 13 Prozent setzen verstärkt darauf. Die Anteile können sich überschneiden und dürfen nicht addiert werden.
Ein Unternehmen kann daraus eine konkrete Prüfung ableiten: Welche Anwendungen stoppen Produktion, Vertrieb oder Kundenservice? Lassen sich Daten in einem dokumentierten Format exportieren? Gibt es einen erprobten Ersatzanbieter, und wie lange dauert der Wechsel tatsächlich? Erst ein solcher Test zeigt, ob eine angenommene Reserve im Ernstfall trägt.
Die Umfrage macht ein reales Problem sichtbar: Digitale Abhängigkeit betrifft häufig das Kerngeschäft. Sie beantwortet aber nicht, wie lange ein einzelnes Unternehmen sicher weiterarbeiten kann. Dafür braucht es eigene Notfallübungen, getestete Datenexporte und Verträge, die einen Anbieterwechsel praktisch ermöglichen.
