In den elektronischen Patientenakten (ePA) der gesetzlich Versicherten liegen nach Angaben auf einer Fachkonferenz rund 117 Millionen Dokumente. Hinzu kommen etwa 41 Millionen Abrufe der elektronischen Medikationsliste pro Woche. Diese großen Zahlen zeigen Aktivität, aber noch keine sichere Behandlung.
Ein Abruf kann automatisch erfolgen. Aus den Betriebsdaten lässt sich deshalb nicht erkennen, ob eine Ärztin, ein Arzt oder eine Apotheke die Liste geprüft und für eine Entscheidung genutzt hat. Ebenso wenig beweist eine große Dateisammlung, dass der entscheidende Befund aktuell, vollständig und schnell auffindbar ist.
Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen Medikationsliste und Medikationsplan. Die Liste entsteht aus verordneten und eingelösten Rezepten. Der elektronische Medikationsplan (eMP) soll dagegen abbilden, was eine Person tatsächlich einnehmen soll. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) läuft die Erprobung in Modellregionen; bundesweit ist der Start ab Dezember geplant. Zunächst wird der digitale Plan zusätzlich zum Papierplan genutzt.
Die Pflege ist eine gemeinsame Aufgabe. Die koordinierende Praxis legt den Plan an, Fachärzte und Apotheken sollen Änderungen ergänzen. Die KBV warnt derzeit davor, Einträge aus der Medikationsliste ungeprüft automatisch in den Plan zu übernehmen, weil dabei relevante Fehler entstehen können. Ein technisch gefülltes Feld ist also nicht automatisch medizinisch richtig.
Parallel ändert sich der finanzielle Anreiz. Die gesonderte Vergütung für das Befüllen der ePA kann laut KBV noch bis zum 31. Dezember 2026 abgerechnet werden und fällt danach weg. Ob gute Einträge dauerhaft gelingen, hängt damit stärker von verlässlicher Software und praktikablen Abläufen ab.
Versicherte können selbst zu mehr Sicherheit beitragen: Beim Arzt- oder Apothekenbesuch sollte der Medikationsplan mit den tatsächlich eingenommenen Mitteln abgeglichen werden – einschließlich frei gekaufter Präparate. Fehlende Entlassbriefe oder auffällige Doppelungen sollten angesprochen werden. Die Akte unterstützt das Gespräch, ersetzt es aber nicht.
Für die Bewertung der ePA sind deshalb andere Kennzahlen wichtiger als die reine Dateimenge: Wie aktuell sind zentrale Angaben? Wie oft werden Widersprüche entdeckt? Finden Behandelnde wichtige Informationen rechtzeitig? Und sinkt die Zahl vermeidbarer Medikationsfehler? Erst solche Ergebnisse zeigen einen Nutzen für die Versorgung.
