Auf den ersten Blick widersprechen sich die neuen Zahlen: Strom und Gas waren für private Haushalte im ersten Halbjahr 2026 im Durchschnitt günstiger als im zweiten Halbjahr 2025. Gleichzeitig lagen die Energiepreise im Verbraucherpreisindex im September 14,9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Beides kann zugleich stimmen.

Der Grund sind unterschiedliche Vergleiche. Die Halbjahresstatistik erfasst durchschnittliche Verkaufspreise der Energieversorger über sechs Monate. Sie weist für Haushalte 37,97 Cent je Kilowattstunde Strom und 11,58 Cent je Kilowattstunde Gas aus. Gegenüber dem vorherigen Halbjahr waren das Rückgänge von 6,4 und 5,3 Prozent. Der Verbraucherpreisindex vergleicht dagegen das Preisniveau eines einzelnen Monats mit demselben Monat des Vorjahres.

Für September meldet das Statistische Bundesamt vorläufig eine Inflationsrate von 3,3 Prozent. Ohne Nahrungsmittel und Energie lag sie bei 2,4 Prozent. Die Energiekomponente war mit 14,9 Prozent deutlich höher; der Abstand zur Kerninflation betrug 12,5 Prozentpunkte. Das ist eine Einordnung der Raten, kein exakter Beitrag der Energie zum Gesamtindex.

Zusätzlichen Druck zeigen die Importpreise. Importierte Energie kostete im August 43,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, darunter Erdgas 41,9 Prozent und Mineralölerzeugnisse 63,3 Prozent. Solche Einfuhrpreise können Unternehmen belasten. Sie werden aber nicht automatisch und nicht sofort vollständig an Haushalte weitergegeben. Verträge, Beschaffung und staatliche Preisbestandteile wirken dazwischen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Ein gesunkener Halbjahresdurchschnitt garantiert keinen weiteren Rückgang im Herbst. Umgekehrt sagt die hohe Energieinflation im September nicht, dass jeder laufende Vertrag um 14,9 Prozent teurer geworden ist. Maßgeblich sind der eigene Tarif und Verbrauch. Die September-Inflationsrate ist zudem vorläufig; endgültige Ergebnisse will Destatis am 13. Oktober veröffentlichen.