Die heiße und trockene Witterung hat die Aussichten für Europas Sommerernten 2026 deutlich verschlechtert. Das Gemeinsame Forschungszentrum der Europäischen Kommission (JRC) erwartet für mehrere Kulturen Erträge unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Es handelt sich um die Septemberprognose, nicht um endgültige Erntedaten.
Am stärksten fällt der erwartete Rückgang bei Sojabohnen mit 15 Prozent aus. Für Grünmais werden 14 Prozent, für Zuckerrüben 11 Prozent, für Körnermais 8 Prozent und für Kartoffeln 7 Prozent weniger Ertrag je Fläche prognostiziert. Die gesamte Produktionsmenge kann noch stärker sinken, wenn stark geschädigte Felder gar nicht geerntet werden.
Der Zeitpunkt des Wetters erklärt den Unterschied zwischen den Kulturen. Viele Winterfrüchte hatten ihre entscheidende Wachstumsphase bereits hinter sich. Sommerfrüchte blühten oder bildeten Körner, Knollen und Kolben, als Hitze, geringe Bodenfeuchte und Niederschlagsmangel zusammenkamen. In besonders betroffenen Gebieten reifte Mais laut JRC bis zu drei Wochen früher als üblich.
Auch Weiden und Tierfutter gerieten unter Druck. Weniger Gras und schlechtere Aussichten für Grünmais bedeuten weniger Futter für den Winter. Das kann landwirtschaftliche Betriebe zwingen, zusätzliches Futter zu kaufen oder Tierbestände anzupassen. Wie stark das einzelne Regionen trifft, lässt sich aus dem EU-Durchschnitt allein nicht ablesen.
Das JRC verbindet Satellitenbilder, Wetterdaten, Pflanzenmodelle, Agrarstatistik und Fachwissen. Die Europäische Umweltagentur zählt Risiken für Ernährung und Wasser bereits zu den zentralen Klimarisiken Europas. Monitoring kann früh warnen; es verhindert aber weder Wetterextreme noch ersetzt eine Prognose die spätere Erntestatistik.
