Der neue Familiennamenatlas der Deutschschweiz untersucht rund 8.300 alteingesessene Namen. Das dreibändige Werk entstand in einem vierjährigen Projekt der Universität Bern und ordnet Namen nicht nur einzeln, sondern nach Lautung, Wortbildung, regionaler Verteilung und historischen Benennungsmotiven.
Besonders anschaulich ist der Unterschied zwischen Namen, die auf weibliche und männliche Vornamen zurückgehen. Der Atlas zählt 75 Metronyme und 1.541 entsprechende Namen aus männlichen Vornamen. Welcher Prozentwert daraus entsteht, hängt vom Nenner ab: Bezogen auf diese 1.616 geschlechtsbezogenen Vornamensnamen machen Metronyme rund 4,6 Prozent aus. Bezogen auf den gesamten Bestand von rund 8.300 Namen sind es etwa 0,9 Prozent. Beide Rechnungen beschreiben etwas anderes; keine sollte ohne Nenner als Anteil „aller Frauennamen“ ausgegeben werden.
Die historische Erklärung der Forschenden lautet, dass Familiennamen und Besitz in der Entstehungszeit meist väterlich weitergegeben wurden. Weibliche Vornamen wurden eher in Ausnahmefällen namensbildend, etwa bei unehelichen Kindern oder wenn eine Frau besonderen Besitz oder Status hatte. Diese Einordnung beschreibt historische Gesellschaftsverhältnisse und nicht die heutige Gleichstellung.
Der Atlas zeigt außerdem Sprachgeschichte. Varianten wie Wyss und Weiss oder Schnider und Schneider spiegeln das Nebeneinander von Mundart und Hochsprache. Karten zu Namen nach Wohnorten, Berufen oder Eigenschaften machen regionale Muster sichtbar.
Ein Familienname ist dennoch kein sicherer Stammbaum. Der Atlas arbeitet mit historischen Namensbeständen und linguistischen Kriterien. Er kann Herkunftsmöglichkeiten und Verteilungen zeigen, aber nicht ohne weitere Quellen beweisen, wie die Geschichte einer einzelnen Familie verlief.
