Die wichtigste Zahl der randomisierten Studie lautet 30,1 zu 19,9 Prozent: Nach sechs Monaten berichteten 30,1 Prozent der intensiv begleiteten Teilnehmenden, mindestens ein Risikoverhalten beendet zu haben; in der Vergleichsgruppe waren es 19,9 Prozent. Als absolute Differenz sind das 10,2 Prozentpunkte. Rechnerisch entspricht das rund einer zusätzlichen Person mit berichteter Abstinenz je zehn behandelten Personen – allerdings nur für diesen selbst berichteten Sammelendpunkt und diesen Zeitpunkt.

572 Erwachsene einer Notaufnahme in Hongkong wurden gleichmäßig auf zwei Gruppen verteilt. Beide erhielten telefonischen Rat; die Interventionsgruppe zusätzlich sechs Monate lang wöchentliche Nachrichten über WhatsApp oder WeChat. Erfasst wurden Rauchen, riskanter Alkoholkonsum, Ernährung und Bewegung. Die Studie war vorab unter NCT06077565 registriert.

Nach dem Ende der Nachrichten verschwand der klare Vorteil beim primären Abstinenz-Endpunkt bis Monat zwölf. Das bedeutet nicht, dass jede Wirkung auf null fiel: Laut Studie reduzierte die Interventionsgruppe auch nach zwölf Monaten häufiger die Zahl ihrer Risikoverhaltensweisen. Primärer und sekundärer Endpunkt beantworten aber verschiedene Fragen. Aus einem positiven Sekundärergebnis darf kein dauerhafter Abstinenzerfolg gemacht werden.

Die Rechnung von etwa zehn Behandelten pro zusätzlichem Erfolg ist keine allgemeine Therapiekennzahl. Sie basiert auf Selbstauskünften, fasst vier sehr unterschiedliche Verhaltensweisen zusammen und stammt aus einem einzigen Krankenhaus. Außerdem wurden nur Menschen mit Smartphone und chinesischer Sprachkompetenz aufgenommen; Verluste in der Nachbeobachtung können das Ergebnis beeinflussen.

Für Kliniken liefert die Studie damit eher eine Planungsfrage als ein fertiges Programm: Kurze digitale Begleitung kann während der aktiven Phase unterstützen, doch für dauerhafte Veränderungen müssten Dauer, Kosten, Datenschutz und verhaltensspezifische Angebote separat getestet werden. Allgemeine Gesundheitsleitlinien bleiben davon unberührt.