Die deutschen Sterbefallzahlen stiegen während mehrerer Hitzewellen im Sommer 2026 deutlich an. Trotzdem lag das dritte Quartal insgesamt rund 3.000 Todesfälle unter dem Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2025. Dieser scheinbare Widerspruch entsteht, weil kurze Belastungsspitzen und eine Dreimonatssumme verschiedene Fragen beantworten.

Das Statistische Bundesamt meldet für die letzte vollständige Juniwoche 36 Prozent mehr Sterbefälle als im Mittel der vier Vorjahre. In der Woche vom 29. Juni bis 5. Juli waren es 28 Prozent mehr. Während einer weiteren Hitzewelle Ende Juli und Anfang August lagen zwei Wochen jeweils vier Prozent über dem Vergleichswert.

Außerhalb dieser Hitzephasen waren die Zahlen häufig niedriger. Für Juli ergibt sich im Monatsvergleich ein Plus von vier Prozent, für August ein Minus von zwei und für September ein Minus von fünf Prozent. Deshalb kann die Quartalssumme unter dem Vorjahresmittel liegen, obwohl einzelne Wochen eine starke gesundheitliche Belastung zeigen.

Destatis zählt dabei alle gemeldeten Sterbefälle und vergleicht sie mit früheren Zeiträumen. Die Abweichung nennt nicht automatisch die Ursache. Alterung der Bevölkerung, Infektionswellen, Nachmeldungen und andere Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) beantwortet eine andere Frage. Es verbindet Sterbefallzahlen mit Temperaturdaten von 52 Wetterstationen und schätzt, wie viele Todesfälle bei einer gedeckelten Hitzebelastung nicht aufgetreten wären. Bis Kalenderwoche 37 ergibt das Modell für 2026 rund 16.000 hitzebedingte Todesfälle. Das 95-Prozent-Prädiktionsintervall reicht von 14.400 bis 17.600.

Diese Zahl ist keine Zählung von Totenscheinen. Hitze wirkt oft zusammen mit Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder anderen Vorerkrankungen und wird deshalb selten als alleinige Todesursache eingetragen. Die Modellschätzung macht die Belastung sichtbar, bleibt aber von Annahmen und Unsicherheit abhängig.

Besonders betroffen sind ältere Menschen. Nach dem RKI-Modell entfällt der größte Anteil auf Altersgruppen ab 75 Jahren; für Menschen ab 85 ist die Rate besonders hoch. Hitzeschutz muss deshalb Pflegeeinrichtungen, allein lebende Menschen und schlecht kühlbare Wohnungen gezielt erreichen.

Für ein Frühwarnsystem sollten drei Signale zusammen betrachtet werden: Wetter und Temperatur für die unmittelbare Warnung, vorläufige Wochenzahlen für zeitnahes Monitoring und altersbezogene Modellschätzungen für die gesundheitliche Einordnung. So werden weder einzelne Spitzen durch eine ruhige Quartalssumme verdeckt noch vorläufige Abweichungen vorschnell als exakt gezählte Hitzetote ausgegeben.