Wer in einem Spiel 1.200 Edelsteine für einen Gegenstand zahlen soll, sieht nicht sofort, wie viele Euro dahinterstehen. Genau diese zusätzliche Rechenstufe nehmen europäische Verbraucherschutzbehörden nun bei neun Spielen unter die Lupe. Für Käufe hilft ein einfacher Check: Echtgeldpreis des Währungspakets durch die enthaltenen Einheiten teilen, den Preis des Gegenstands umrechnen und prüfen, wie viel ungenutzte Währung übrig bleibt.
Problematisch können Pakete sein, deren Größe nicht zu den angebotenen Gegenständen passt. Dann bleibt nach dem Kauf ein Rest, während für den gewünschten Inhalt mehr Währung gekauft werden muss als nötig. Die Behörden fordern deshalb Preise in echtem Geld und wollen verschleiernde Mehrfachwährungen oder Umtauschmechanismen genauer prüfen.
Das Netzwerk für die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz untersucht unter anderem „Minecraft“, „Valorant“, „Clash of Clans“, „Candy Crush Saga“ und „Hunt: Showdown 1896“. Mit Crytek und InnoGames sind auch zwei deutsche Unternehmen betroffen. Die Auswahl soll verschiedene Marktsegmente abdecken; sie ist keine vollständige Bewertung des Spielemarkts.
Neben transparenten Preisen geht es um Kaufdruck, faire Vertragsbedingungen, Informationen zum 14-tägigen Widerrufsrecht für ungenutzte Währung und Schutzvorkehrungen für Kinder. heise online berichtet außerdem über eine gesonderte Prüfung von „Diablo Immortal“ und „Call of Duty: Mobile“, bei der weitere Design- und Datenschutzfragen eine Rolle spielen.
Wichtig ist der Verfahrensstand: Die Behörden haben Prüfungen eingeleitet, aber noch keinen Rechtsverstoß der einzelnen Anbieter festgestellt. Auch Fristen und mögliche Folgen sind noch offen. Branchenverbände widersprechen Teilen der behördlichen Auslegung des bestehenden EU-Verbraucherrechts. Bis Ergebnisse vorliegen, sollten Käuferinnen und Käufer den Europreis selbst berechnen und die Bedingungen für Restguthaben und Widerruf vor dem Bezahlen lesen.
