Künstliche Intelligenz hat in Deutschland bis Ende 2025 keinen allgemeinen Einbruch der Vollzeitbeschäftigung in besonders betroffenen Berufen ausgelöst. Das zeigt eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Bei jüngeren Beschäftigten gibt es dennoch ein Warnsignal. Es ist kleiner als der Zusammenhang mit der schwachen Konjunktur und darf nicht als gesicherte Ursache gelesen werden.

Die Untersuchung verwendet monatliche administrative Daten von rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten zwischen 20 und 64 Jahren. Berufe werden danach eingestuft, welcher Anteil ihrer Tätigkeiten mit großen Sprachmodellen schneller erledigt werden könnte. Gemessen wird damit ein technisches Potenzial, nicht der tatsächliche Einsatz von KI in einem Betrieb.

Im einfachen Vergleich lag die Beschäftigung in den beiden am stärksten KI-exponierten Berufsgruppen 2025 rund ein Prozent über dem Niveau von 2022. In den drei weniger exponierten Gruppen lag sie gut drei Prozent darunter. Für Menschen ab 30 entwickelte sich die Beschäftigung in stärker exponierten Berufen deutlich günstiger.

Bei den 20- bis 29-Jährigen verlief der Vergleich anders: In stark KI-exponierten Berufen sank die Vollzeitbeschäftigung um 3,8 Prozent, in weniger exponierten um 2,6 Prozent. Der Abstand beträgt damit minus 1,2 Prozentpunkte. Das ist zunächst eine Beschreibung zweier Gruppen und noch kein Beweis, dass KI Stellen gestrichen hat.

Das IAB berücksichtigt zusätzlich Homeoffice-Eignung und Konjunkturanfälligkeit. Danach bleibt der Zusammenhang von KI-Exposition und Beschäftigung der Jüngeren negativ, ist insgesamt aber statistisch nicht signifikant. Deutlicher ist die Wirtschaftsschwäche: In Berufen aus schwächelnden Sektoren ging die Beschäftigung junger Menschen zwischen 2022 und 2025 um 4,2 Prozent zurück.

Ein belastbareres Warnsignal findet die Analyse im verarbeitenden Gewerbe und in nichtakademisch geprägten Berufen. Dort ist der negative Zusammenhang bei Jüngeren statistisch signifikant. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, vor allem akademische Einstiegsjobs seien bereits sichtbar betroffen. Auch hier bleibt jedoch offen, welcher Betrieb KI tatsächlich eingeführt hat.

Die Daten decken wichtige Gruppen nicht ab, darunter Selbstständige, Auszubildende, ausschließlich geringfügig Beschäftigte und Menschen ohne Beschäftigung. Für einen kausalen Nachweis müssten tatsächliche KI-Nutzung, Neueinstellungen, Aufgabenveränderungen und individuelle Übergänge gemeinsam beobachtet werden.

Bis dahin ist die sachgerechte Schlussfolgerung zweigeteilt: Eine breite Jobkrise durch KI ist in diesen Daten nicht zu sehen. Gleichzeitig verdienen Einstiegsaufgaben im verarbeitenden Gewerbe und in nichtakademischen Berufen besondere Beobachtung und Weiterbildung. Konjunktur, KI-Einsatz und veränderte Arbeitsorganisation sollten dabei getrennt gemessen werden.