Die häufig zitierte Prognose für Rechenzentren steigt von 485 Terawattstunden im Jahr 2025 auf 950 Terawattstunden 2030. Das sind 465 Terawattstunden mehr beziehungsweise rund 96 Prozent Zuwachs. Die Größenordnung stammt aus IEA-Analysen; sie beschreibt weltweiten Stromverbrauch, nicht die Belastung eines einzelnen Netzknotens.
Der Engpass entsteht vor allem durch unterschiedliche Zeithorizonte. Ein großes Rechenzentrum kann nach UNECE-Angaben in zwei bis fünf Jahren gebaut und angeschlossen werden, während neue Übertragungsleitungen häufig länger als zehn Jahre benötigen. Deshalb kann lokal Anschlusskapazität fehlen, obwohl auf nationaler oder globaler Ebene genug Strom erzeugt wird.
Für Netzplanung sind mindestens vier Fragen getrennt zu beantworten: Wo soll die Anlage angeschlossen werden? Wie hoch sind Spitzenlast und kurzfristige Schwankungen? Wer finanziert Leitungen und Umspannwerke? Und kann der Betreiber Last flexibel verschieben oder eigene Speicher einsetzen? Erst diese Angaben zeigen, ob ein Projekt vor allem Energie, Netzleistung oder Reservekapazität beansprucht.
Irland hat im Raum Dublin Anschlussbeschränkungen eingeführt; die Niederlande begrenzen Standorte besonders großer Anlagen. Solche Maßnahmen belegen einen realen lokalen Zielkonflikt, aber keinen zwangsläufigen weltweiten Kaskadenausfall. Die UNECE nennt Spannungsschwankungen und unbeabsichtigte Abschaltungen als Risiken, nicht als sichere Folge jedes KI-Rechenzentrums.
Die 2030-Zahl bleibt eine Prognose. Effizienz der Chips und Kühlung, Auslastung, Standortwahl und Entwicklung der KI-Nachfrage können sie verändern. Transparente Anschlussdaten und klare Kostenteilung sind deshalb belastbarer als pauschale Blackout-Szenarien.
