Krankheiten und Gesundheitsprobleme verursachten in Deutschland 2024 direkte Kosten von 528,5 Milliarden Euro. Das waren 37,5 Milliarden Euro oder 7,6 Prozent mehr als 2023. Bevor daraus Schlüsse über einzelne Gruppen gezogen werden, ist entscheidend, was die Statistik misst: Ausgaben für Behandlung, Prävention, Rehabilitation und Pflege.
Nicht enthalten sind zum Beispiel Produktionsausfälle durch Krankheit oder der Verlust an Lebensqualität. Die Summe ist daher keine vollständige volkswirtschaftliche Schadensrechnung. Sie zeigt, welche direkten Ressourcen das Gesundheitswesen bestimmten Krankheiten und Bevölkerungsgruppen zurechnet.
Der stärkste Einflussfaktor ist das Alter. Auf Menschen ab 65 Jahren entfielen 53,8 Prozent beziehungsweise 284,3 Milliarden Euro. Für alle jüngeren Gruppen zusammen bleiben rechnerisch rund 244,2 Milliarden Euro. Pro Kopf lagen die Kosten bei den 15- bis 29-Jährigen bei 2.390 Euro, bei Menschen ab 85 Jahren bei 30.150 Euro. Das ist ungefähr das 12,6-Fache.
Diese Altersverteilung ist auch für den Vergleich der Geschlechter wichtig. Für Frauen weist Destatis 6.960 Euro pro Kopf aus, für Männer 5.680 Euro. Ein Teil der Differenz entsteht laut Behörde dadurch, dass Frauen länger leben und unter den Hochbetagten häufiger vertreten sind. Der rohe Abstand von 22,5 Prozent beweist deshalb nicht, dass das Geschlecht selbst entsprechend höhere Kosten verursacht. Dafür braucht es altersstandardisierte Vergleiche.
Nach Krankheitsgruppen lagen Kreislauferkrankungen mit 69,4 Milliarden Euro und psychische sowie Verhaltensstörungen einschließlich Demenz mit 68,7 Milliarden Euro fast gleichauf. Zusammen machten sie 26,1 Prozent der direkten Kosten aus. Es folgten Erkrankungen von Muskeln und Skelett, des Verdauungssystems sowie Neubildungen. Solche Ranglisten zeigen Ausgaben, aber nicht automatisch, wo eine zusätzliche Ausgabe am meisten Gesundheit gewinnt.
Für gesundheitspolitische Entscheidungen müssen deshalb drei Fragen getrennt werden: Wie stark wächst eine Krankheitsgruppe nach Bereinigung um Alter und Preise? Welche Leistungen verursachen die Kosten? Und welche Prävention oder Behandlung verbessert nachweislich Gesundheit? Die Gesamtsumme allein beantwortet keine dieser Wirkungsfragen.
