Unternehmen auf dem Land sind nach einer neuen EU-Auswertung fast so häufig innovativ wie Firmen in Städten. 64 Prozent der befragten ländlichen Unternehmen meldeten neue oder deutlich verbesserte Produkte oder Prozesse; in Städten waren es 70 Prozent. Der Abstand beträgt sechs Prozentpunkte. Ländliche Firmen erreichen damit rund 91 Prozent der städtischen Quote.
Die Zahl widerspricht dem pauschalen Bild eines innovationsarmen ländlichen Raums. Sie hängt jedoch stark davon ab, was als Innovation gilt. Die Befragung erfasst nicht nur Patente oder Ausgaben für Forschung und Entwicklung, sondern auch neue und verbesserte betriebliche Abläufe. Das bildet Veränderungen in kleineren Dienstleistungs-, Handwerks- und Produktionsbetrieben besser ab, sagt aber noch nichts über Umsatz, Produktivität oder Marktwert einer Neuerung.
Auffälliger ist der Zugang zu Förderung. 15 Prozent der ländlichen Firmen berichteten öffentliche Innovationsmittel, gegenüber 18 Prozent in Städten. Das entspricht relativ nur etwa 83 Prozent der städtischen Quote. Bei EU-Mitteln waren es fünf gegenüber 6,5 Prozent, also rund 77 Prozent. Diese Lücke beweist nicht, warum weniger Geld ankommt. Branchenmix, Antragsverhalten und Auswahlchancen können sich überlagern.
Die Befragung zeigt zugleich mögliche Hebel. Ländliche Unternehmen arbeiten häufiger mit lokalen Wettbewerbern zusammen, um fehlende Angebote oder Wissen auszugleichen. Nähe zu Hochschulen steht mit höherer Innovationsintensität in Verbindung. Auch qualifizierte und ausgewogen zusammengesetzte Teams gehen in ländlichen Gebieten besonders deutlich mit Innovation einher.
Für Regionalpolitik folgt daraus eine gezieltere Aufgabe als die bloße Forderung nach mehr Technik. Wichtig sind erreichbare Hochschul- und Beratungsnetzwerke, Kooperation, Fachkräfte und Finanzierung, die auch kleinere Prozessinnovationen berücksichtigt. Ob ein Instrument wirkt, muss allerdings regional geprüft werden: Der EU-Durchschnitt kann Unterschiede zwischen Ländern, Branchen und sehr abgelegenen Gebieten verdecken.
Die Studie macht ländliche Innovation sichtbarer, ersetzt aber keine Wirkungsmessung. Sie zeigt, wie viele Firmen Veränderungen melden. Ob diese dauerhaft erfolgreicher, produktiver oder klimafreundlicher werden, braucht weitere Daten.
