Wer ein neues Video des österreichischen Parlaments prüft, soll künftig zwei Fragen technisch beantworten können: Von welchem ausgewiesenen Herausgeber stammt die Datei, und wurde die signierte Fassung nachträglich verändert? Dafür versieht das Parlament neue Inhalte seiner Video-on-Demand-Plattform mit Content Credentials nach dem C2PA-Standard.
C2PA steht für Coalition for Content Provenance and Authenticity. Der Standard verknüpft ein digitales Medium mit einem signierten Manifest. Darin können Quelle, Bearbeitungsschritte und weitere Angaben dokumentiert werden. Eine Prüfsoftware kontrolliert Signatur, Bindung an die Datei und den ausgewiesenen Vertrauenspfad.
Der Nachweis ist damit kein allgemeines „Echtheitssiegel“. Er belegt, was ein bestimmter Herausgeber signiert und welche Bearbeitungsschritte dokumentiert wurden. Er entscheidet nicht, ob eine Aussage im Video sachlich richtig, vollständig oder fair eingeordnet ist. Auch eine authentische Aufnahme kann irreführend geschnitten oder in falschem Kontext verbreitet werden.
Hinzu kommt eine technische Grenze: Plattformen oder Bearbeitungsprogramme können eingebettete Metadaten entfernen. Der C2PA-Standard kennt zwar auch externe Manifeste und unterschiedliche Bindungen an Inhalte; ob Zuschauerinnen und Zuschauer den Nachweis sehen, hängt aber von der Verbreitungskette und unterstützender Software ab.
Das Parlament setzt den Standard gemeinsam mit dem Medientechnikunternehmen Big Blue Marble um und bindet die Nachweise automatisiert bei der Veröffentlichung ein. Der Schritt schafft ein zusätzliches überprüfbares Herkunftssignal. Er ersetzt weder journalistische Faktenprüfung noch Medienkompetenz, macht unbemerkte Veränderungen an der signierten Fassung aber leichter erkennbar.
