Im österreichischen Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) ist am Freitag das zweitägige „Zukunftsforum" zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu Ende gegangen. Rund 200 Personen aus Medien, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft hatten in Arbeitsgruppen Vorschläge erarbeitet, die am Abschlusstag präsentiert wurden.

Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) bedankte sich bei den Teilnehmenden für die Bereitschaft, „gemeinsam an der Zukunft einer Institution zu arbeiten, die uns allen gehört". Der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig kündigte bei der Veranstaltung nach Angaben mehrerer Beobachter deutliche Reformschritte an und zeigte sich unter anderem offen für eine mögliche Abschaffung der bisherigen Alleingeschäftsführung des ORF zugunsten eines mehrköpfigen Vorstands.

Die in den Arbeitsgruppen erzielten Ergebnisse reichen von einem verkleinerten, professionalisierten Aufsichtsrat über eine stärkere Ausrichtung auf junge Zielgruppen bis zu Vorschlägen für Kooperationen mit privaten Medienunternehmen unter dem Arbeitstitel „media connect". Der Verband Österreichischer Zeitungen bezeichnete diesen Kooperationsimpuls als „wichtigen Zukunftsimpuls" und bescheinigte Pig, die Notwendigkeit einer Gesamtreform erkannt zu haben.

Nicht alle Reaktionen fielen positiv aus. Die FPÖ kritisierte durch ihren Mediensprecher Christian Hafenecker das Forum wiederholt scharf: Es handle sich um eine „Farce", die Ergebnisse seien ein „mieser Reformschwindel", der lediglich den Einfluss der Regierung auf den öffentlich-rechtlichen Sender zementiere. Die liberale Jugendorganisation Junos forderte einen enger gefassten öffentlich-rechtlichen Auftrag und eine Reduktion der Finanzierung von Unterhaltungsformaten wie „Dancing Stars" oder Formel-1-Übertragungen über den ORF-Beitrag.

Die im Zukunftsforum erarbeiteten Anregungen sind zunächst unverbindliche Vorschläge. Ob und in welcher Form sie in eine tatsächliche gesetzliche ORF-Reform münden, ist eine politische Entscheidung, die noch aussteht.