Die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben ihre Verhandlungen über einen zentralen Teil des Pandemie-Abkommens fortgesetzt. Offen ist weiterhin, wie Proben und genetische Informationen zu Erregern mit Pandemiepotenzial schnell geteilt werden sollen – und wie Länder im Gegenzug fairen Zugang zu daraus entwickelten Impfstoffen, Tests und Medikamenten erhalten.

Der geplante Mechanismus heißt „Pathogen Access and Benefit-Sharing“, auf Deutsch etwa Zugang zu Krankheitserregern und Vorteilsausgleich. Er soll als Anhang Teil des 2025 beschlossenen WHO-Pandemie-Abkommens werden. Nach Angaben der WHO kamen die Staaten bei einer fünftägigen Sitzung in Genf voran. Ein fertiger Text wurde jedoch noch nicht beschlossen.

Das ist rechtlich entscheidend: Erst nach der Annahme des Anhangs durch die Weltgesundheitsversammlung kann das Abkommen zur Unterzeichnung und Ratifizierung geöffnet werden. Für sein Inkrafttreten sind 60 Ratifikationen nötig. Damit gelten die Regeln derzeit noch nicht.

Die Verhandlungen sollen eine Schwäche der Corona-Pandemie aufarbeiten. Impfstoffe wurden schnell entwickelt, waren aber zwischen reichen und ärmeren Ländern sehr ungleich verteilt. Das Abkommen sieht deshalb neben dem Verteilungsmechanismus auch Zusammenarbeit bei Lieferketten, Finanzierung und Vorsorge vor. Wie verbindlich und praktisch wirksam diese Regeln werden, hängt vom noch offenen Wortlaut, späteren Ratifikationen und der Umsetzung in den einzelnen Staaten ab.