Mit der Auftragsvergabe für unbewirtschaftete Rastanlagen ist das deutsche E-Lkw-Ladenetz in die Planungs- und Bauphase gewechselt. Es ist aber noch kein Netz mit 4.200 betriebsbereiten Anschlüssen: Diese Zahl beschreibt das Zielbild für rund 350 Autobahnstandorte, das nach Angaben des Bundes bis 2030 entstehen soll.

Geplant sind rund 1.800 Anschlüsse nach dem Megawatt Charging System (MCS) und 2.400 CCS-Anschlüsse. Rechnerisch wären das im Mittel zwölf Ladepunkte je Standort. Der Mittelwert sagt nichts über die tatsächliche Verteilung aus; hoch belastete Rastanlagen können deutlich mehr Anschlüsse benötigen als andere.

Konkret vergeben wurden am 30. Juni 2026 fünf Lose für 124 unbewirtschaftete Rastanlagen. Die Fließtexte von Verkehrsministerium und Autobahn GmbH nennen 836 Ladepunkte, darunter 447 MCS- und 389 CCS-Anschlüsse. Das entspricht im Mittel knapp 6,8 Anschlüssen je Standort. Die Netzanschlüsse seien bereits 2024 beantragt worden; nun folgen standortspezifische Planung und Errichtung.

Bei der Primärquellenprüfung fällt eine Unstimmigkeit auf: Der Projektkasten auf der BMV-Seite nennt „824 Ladepunkte insgesamt“. Seine drei Unterpositionen – 447 MCS, 157 CCS mit 400 Kilowatt und 232 CCS mit 100 Kilowatt – ergeben zusammen jedoch 836. Auch der übrige Text nennt 836. Bis das Ministerium die Seite korrigiert oder erläutert, sollte für die erste Stufe transparent von einer offiziellen Inkonsistenz gesprochen werden; 836 ist die intern rechnerisch konsistente Angabe.

Die zweite Ausschreibung betrifft nach aktuellem Plan rund 225 bewirtschaftete Rastanlagen und ist noch in Vorbereitung. Ob das Zielbild rechtzeitig betriebsbereit wird, hängt deshalb nicht nur von vergebenen Aufträgen ab, sondern von Genehmigungen, Netzanschlüssen, Baufortschritt und einer zum tatsächlichen Lkw-Hochlauf passenden Kapazität. Private Ladepunkte an Depots und Logistikzentren bleiben zusätzlich notwendig.

Für die Fortschrittskontrolle sind vier Kennzahlen aussagekräftiger als die bloße Ankündigung: vergebene Standorte, gesicherte Netzleistung, errichtete Anschlüsse und öffentlich nutzbare Ladepunkte. Erst die letzte Stufe zeigt, was Speditionen im Betrieb tatsächlich verwenden können.