Die Zahl von 330 Kilogramm Lebensmittelverschwendung pro Person und Jahr beschreibt nach Angaben des Bundesamts für Umwelt die gesamte Schweizer Wertschöpfungskette. Sie umfasst also nicht nur den Kühlschrank zu Hause, sondern auch Verluste in Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Gastronomie. Wer sie als reine Haushaltsmenge liest, überschätzt den direkten Einfluss einzelner Konsumentinnen und Konsumenten.
Im Haushalt lassen sich drei wiederkehrende Entscheidungspunkte nutzen. Erstens vor dem Einkauf Vorräte prüfen und eine Mengenliste schreiben. Zweitens beim Kochen Portionen bewusst abmessen. Drittens Reste nicht nur aufbewahren, sondern bereits einer konkreten nächsten Mahlzeit zuordnen. Diese Abfolge greift die von SRF zitierte Verhaltensforschung auf: Gute Absichten scheitern oft an Impulskäufen, Zeitdruck und kurzfristigen Zielkonflikten.
Die nationale Aktionswoche bringt mehr als 50 Partner aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und öffentlicher Hand zusammen. Damit verteilt sie Verantwortung breiter als reine Verbraucherappelle. Für Handel und Gastronomie stellen sich andere Fragen: Bestellmengen, Datumskennzeichnung, Weitergabe überschüssiger Ware und Portionsgrößen.
Ob die Woche wirkt, lässt sich nicht aus Teilnahmezahlen oder einzelnen Banketten ablesen. Dafür bräuchte es vergleichbare Abfalldaten vor und nach der Kampagne sowie eine Trennung nach Haushalten, Handel und Gastronomie. SRF berichtet, die Reduktion in Haushalten habe in vier Jahren erst fünf Prozent erreicht; das 2030-Ziel von 50 Prozent bleibt damit deutlich entfernt.
Die Routinen sind deshalb ein praktischer Einstieg, kein Wirkungsnachweis. Strukturelle Verluste entlang der Kette bleiben Aufgabe von Betrieben und Politik.
