Die Schweizer Medizintechnik meldet gleichzeitig Rekordnähe und Bremsspuren. Der Branchenverband beziffert das durchschnittliche jährliche Umsatzwachstum der vergangenen zwei Jahre auf 5,5 Prozent. SRF nennt für 2025 einen Umsatz von 26 Milliarden Franken. Zugleich entstanden zuletzt netto nur rund 200 neue Stellen.
Verglichen mit dem vom Verband angegebenen Zehnjahresdurchschnitt von 1.500 neuen Stellen liegt der jüngste Zuwachs rund 86,7 Prozent niedriger. Das ist keine Abnahme der Gesamtbeschäftigung: Die Branche beschäftigt weiterhin fast 72.000 Menschen. Es zeigt aber, dass Umsatz und zusätzliche Arbeitsplätze zuletzt weit auseinanderliefen.
Auch bei Investitionen sendet die Befragung ein Warnsignal. 43 Prozent der antwortenden Unternehmen planen keine Investitionen; mehr als die Hälfte bewertet den Standort schlechter als vor fünf Jahren. SRF ergänzt ein konkretes Gegenbeispiel zur abstrakten Stimmung: Zimmer Biomet prüfte in Winterthur den Abbau von bis zu 580 von 730 Stellen.
Die Zahlen müssen quellenkritisch gelesen werden. Swiss Medtech ist Interessenverband und verbindet die Studie mit Forderungen nach Bürokratieabbau und besseren Handelsbedingungen. Der frei zugängliche Text legt Stichprobe, Rücklauf und Gewichtung nicht vollständig offen. Aussagen zu Standortattraktivität und Investitionsplänen beschreiben daher die befragten Firmen, nicht automatisch alle rund 1.400 Unternehmen.
Ein struktureller Grund ist das Verhältnis zur Europäischen Union: Seit 2021 fehlt die gegenseitige Anerkennung von Medizinprodukte-Zertifizierungen. Hinzu kommen starker Franken, Kosten und kundennähere Produktion im Ausland. Ob politische Entlastung die Beschäftigung wieder auf den früheren Pfad bringt, lässt sich aus der Verbandsbefragung nicht ableiten. Der belastbare Befund ist enger: Export- und Umsatzstärke sichern derzeit keine vergleichbare Dynamik bei Investitionen und neuen Stellen in der Schweiz.
