Die amtliche Insolvenzstatistik zeigt für Juni 2026 einen deutlichen Anstieg: 2.266 beantragte Unternehmensinsolvenzen wurden von den Amtsgerichten registriert, 15,8 Prozent mehr als im Juni 2025. Im ersten Halbjahr waren es 12.812 Fälle und damit 6,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Belastung verteilt sich ungleich. Bezogen auf 10.000 Unternehmen war die Insolvenzhäufigkeit im ersten Halbjahr bei Verkehr und Lagerei mit 71,6 am höchsten. Es folgten Gastgewerbe mit 59,6 und Baugewerbe mit 53,4 Fällen. Zugleich sanken die angemeldeten Forderungen von 28,2 auf 18,5 Milliarden Euro, weil im Vorjahreszeitraum mehr wirtschaftlich große Unternehmen betroffen waren.

Eine zweite, schneller verfügbare Reihe des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle meldete für August 1.525 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften: zehn Prozent weniger als im Juli, aber neun Prozent mehr als im August 2025 und 63 Prozent über dem August-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019. Die Reihe stützt damit die Einordnung eines weiterhin hohen Niveaus, ist aber wegen anderer Abgrenzung nicht eins zu eins mit den 2.266 Gerichtsverfahren für Juni vergleichbar.

Die zeitliche Differenz ist wichtig: Destatis weist darauf hin, dass ein Antrag oft annähernd drei Monate vor seinem Eingang in die Statistik liegt. Das IWH nutzt frühere Bekanntmachungen und eine engere Unternehmensabgrenzung. Die Werte beantworten daher unterschiedliche Fragen – amtlich abgeschlossene erste Gerichtsentscheidungen einerseits, kurzfristiger Trend andererseits.

Auch die Zahl der Insolvenzen ist kein Maß für alle Geschäftsaufgaben. Schließungen ohne Insolvenzverfahren fehlen; aus der niedrigeren Forderungssumme lässt sich zudem nicht ableiten, dass die wirtschaftlichen Folgen für Beschäftigte oder Regionen entsprechend kleiner sind.