Zwei Aussagen zur Einwanderung in die Vereinigten Staaten klingen widersprüchlich, sind aber gleichzeitig richtig: 2024 lebten dort rund 50 Millionen im Ausland geborene Menschen – ein absoluter Höchststand der langen Datenreihe. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lag zugleich bei ungefähr 15 Prozent und damit nahe an Werten des späten 19. Jahrhunderts.

Der Unterschied liegt im Nenner. Die Gesamtbevölkerung der USA ist seit 1890 stark gewachsen. Deshalb kann die absolute Zahl der Eingewanderten einen Rekord erreichen, ohne dass ihr Bevölkerungsanteil historisch einmalig ist. Für 1890 weist die historische Census-Reihe 14,8 Prozent aus; gegenüber ungefähr 15 Prozent im Jahr 2024 beträgt die Differenz nur rund 0,2 Prozentpunkte.

Die Bezeichnung „foreign-born“ misst außerdem keinen jährlichen Grenzübertritt. Das U.S. Census Bureau zählt alle Einwohnerinnen und Einwohner, die bei Geburt keine US-Staatsbürgerschaft hatten. Dazu gehören Eingebürgerte, Menschen mit dauerhaftem oder vorübergehendem Aufenthaltsrecht, Geflüchtete und Menschen ohne regulären Status.

Auch die Herkunft hat sich verändert. Um 1900 stammte ein großer Teil der im Ausland geborenen Bevölkerung aus Europa; im jüngeren Anstieg spielen Lateinamerika und Asien eine größere Rolle. Ein gleicher Gesamtanteil bedeutet daher nicht, dass Zusammensetzung, Aufenthaltsdauer oder politische Rahmenbedingungen gleich geblieben sind.

Die 2024er Werte stammen aus einer Stichprobenerhebung und sind mit Unsicherheit verbunden. Sie eignen sich für Größenordnungen und historische Vergleiche, nicht für eine exakte Zählung einzelner Rechtsstatus. Wer über „Migration“ spricht, sollte daher immer sagen, ob Bestandsbevölkerung, jährliche Zuwanderung, Grenzfälle oder Aufenthaltsstatus gemeint sind.