Eine prospektive Kohortenstudie aus Vancouver findet einen deutlichen Zusammenhang zwischen kommunalen Räumungen und fortdauernder Wohnungslosigkeit. Sie beobachtete 235 wohnungslose Menschen, die Drogen konsumierten, in halbjährlichen Befragungen von Dezember 2021 bis Mai 2025.

Der wichtigste methodische Punkt liegt im gemessenen Ergebnis. Als Übergang zählte, wenn Teilnehmende bei einer späteren Befragung für die vorherigen sechs Monate keine Wohnungslosigkeit mehr angaben. Das ist nicht dasselbe wie dauerhaftes, sicheres Wohnen; die Qualität der Unterkunft wurde nicht erfasst. Von 235 Personen berichteten 59 zu Beginn eine Beschlagnahmung persönlicher Gegenstände, 128 meldeten im Verlauf keine Wohnungslosigkeit mehr.

Nach statistischer Anpassung war eine Beschlagnahmung mit einer geringeren Übergangsrate verbunden: Die angepasste Hazard Ratio lag bei 0,35, das 95-Prozent-Konfidenzintervall bei 0,13 bis 0,94. In einer zweiten Analyse mit 154 Personen lag die Hazard Ratio für erzwungene Ortswechsel bei 0,07, mit einem Intervall von 0,02 bis 0,20. Werte unter 1 sprechen hier für eine niedrigere Übergangschance in der exponierten Gruppe.

Die Autoren verwendeten ein marginales Strukturmodell, um zeitveränderliche Unterschiede wie Gesundheit, Drogenkonsum und soziale Belastungen zu berücksichtigen. Das stärkt die Auswertung, beseitigt aber keine unbeobachteten Unterschiede. Die Studie ist beobachtend und kann deshalb nicht sicher beweisen, dass Räumungen die Ursache des schlechteren Wohnungsverlaufs sind.

Die Arbeit verweist auf die STROBE-Richtlinie für die transparente Berichterstattung von Kohortenstudien. Sie legt Finanzierung und Interessenkonflikte offen; mehrere Beteiligte arbeiten zugleich in Forschung, Sozialarbeit oder Interessenvertretung. Belastbar ist damit ein lokaler Zusammenhang bei einer speziellen Gruppe in Vancouver. Eine allgemeine Wirkung für andere Städte oder alle wohnungslosen Menschen ist noch nicht belegt.