Wie gesund verpackte Lebensmittel zusammengesetzt sind, unterscheidet sich in Europa nicht nur zwischen Ländern, sondern auch innerhalb derselben Produktgruppe. Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission, auf Englisch Joint Research Centre (JRC), wertete dafür Etikettendaten von mehr als 180.000 Produkten aus 21 Ländern aus.
Der Datensatz umfasst fünf Gruppen: Frühstücksgetreide, Brotprodukte, frische Milchprodukte und Desserts, Wurst- und Aufschnittwaren sowie Erfrischungsgetränke. Schon innerhalb dieser Gruppen sind die Spannweiten groß. Frühstücksgetreide enthielt je 100 Gramm zwischen 1 und 28 Gramm Zucker. Bei Aufschnitt und ähnlichen Produkten lag gesättigtes Fett zwischen weniger als 1 und 14 Gramm je 100 Gramm.
Die Auswertung zeigt zugleich, warum ein einzelner verbesserter Wert nicht genügt. Bei Frühstücksgetreide sank der Gesamtzucker in vielen Ländern gegenüber früheren Erhebungen. Gleichzeitig stiegen teilweise Gesamtfett und gesättigte Fettsäuren. Eine Reformulierung kann also einen Nährstoff verbessern und einen anderen verschlechtern.
Für den Einkauf ergibt sich daraus eine einfache Leseregel. Erstens sollten nur ähnliche Produkte verglichen werden. Zweitens müssen die Bezugsgrößen je 100 Gramm oder 100 Milliliter von der tatsächlichen Portion getrennt werden. Drittens zählen Zucker, Salz, gesättigte Fette und Ballaststoffe gemeinsam. Viertens bleibt die gesamte Ernährung wichtiger als ein einzelnes verpacktes Produkt. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt entsprechend eine ausgewogene, vielfältige Ernährung und Grenzen für freie Zucker, Salz sowie gesättigte Fette.
Die JRC-Beispiele verdeutlichen Größenordnungen, sind aber keine individuellen Ernährungsdiagnosen. Laut Auswertung können ein Schinkenbrot und ein Salat mit Speck bereits rund 40 Prozent der empfohlenen täglichen Salzobergrenze nur aus den Fleischwaren liefern. Eine Dose Cola und 40 Gramm zuckerreiches Fruchtmüsli können in der Modellrechnung mehr als das Doppelte der strengeren täglichen Grenze für freie Zucker erreichen. Portionsgröße und übrige Mahlzeiten bleiben dafür entscheidend.
Das Online-Werkzeug Food and Beverages Label Explorer (FABLE) macht solche Produktdaten zugänglich. Es zeigt jedoch Etiketten, nicht was Menschen tatsächlich kaufen oder essen. Die Studie deckt zudem nur fünf Kategorien ab. Für Politik und Hersteller kann sie Reformulierungsbedarf markieren; für Einzelne ersetzt sie weder eine vollständige Ernährungsbilanz noch medizinische Beratung.
